Es droht eine Schimmelfalle

"... Hauseigentümer sollen beachten, dass dies meist Unternehmen sind [die einen Energiepass anbieten], die ein Interesse am Verkauf von Produkten haben, etwa von Dämmstoffen.

"Bei ungeplanten Arbeiten ist Vorsicht geboten", warnt die V.P.B.-Geschäftsführerin. "Es droht eine Schimmelfalle." Wer wahllos Wände dämmt, bringt das empfindliche System des Hauses aus dem Gleichgewicht. Womöglich sammelt sich dann Feuchtigkeit an unvorhergesehenen Orten und es bildet sich dort Schimmel. ..."

aus: Berliner Zeitung, 28.01.2006
Interview mit der Geschäftsführerin des Verbandes Privater Bauherren, Corinna Merzyn
(zum Thema aufgeschwatzte Energiepässe)


Dämmung und Schimmel
Interview mit Konrad Fischer zum Thema Wärmedämmung, Energiesparen und Schimmel

F: Der Hamburger Bausachverständige Rolf Köneke behauptet, dass aufgrund schimmeliger Wohnungen bereits 600.000 Menschen erkrankt seien. Gibt es für diese Zahl eine Grundlage?

A: Nach den mir vorliegenden Fachpublikationen erscheinen diese Angabe als eher untertrieben. Fast jede zweite deutsche Wohnung hat demnach heute Schimmel. Fakt ist auch eine ständig zunehmende Anzahl von krankheitsbedingten Raumluftuntersuchungen, die ein Sachverständigenheer ernähren und die Amtsgerichte belasten. Auch unsere ARD-GLOBUS-Sendung "Zwang zum Energiesparen: Pfusch am Bau?" benutzte als Aufreißer ein schimmelbedingt am Kopf blutendes Kind in einer Schimmelwohnung und klare Worte des Umweltmediziners Dr. Bartram.

Fazit: Das amtlich erzwungene Dämmen und Dichten ist ein gewissenloser Anschlag auf die Volksgesundheit.

F: Das Institut Wohnen und Umwelt sagt, die Feuchtigkeit in der gedämmten Wohnung resultiere im Wesentlichen aus den dichten Fenstern, nicht aus gedämmten Wänden. Stimmt das?

A: Natürlich begünstigen die überdichten Isofenster den Schimmel im Wohnraum. Aber die Schadenspublikationen und die Bauschäden der Praxis belegen auch die Mitschuld der Dämmung. Da die Dämmstoffe Kondensat - und unter ihren schnell zerrissenen Kunstharzschwarten auch Regen begierig aufnehmen und nicht mehr abtrocknen können, veralgen und verschimmeln diese Konstruktionen nach kurzer Zeit. Hausschwammbefall der angrenzenden Holzbauteile ist die logische Folge.

Um die zum Absaufen neigenden Dämmstoffe vor Feuchte zu schützen, werden Folien in Dach und Wand eingebaut, die regelmäßig als Kondensatfalle wirken und über kurz oder lang dennoch Kondensat in die Dämmung einwandern lassen. In den bewegungsfreudigen Leichtbauten öffnen sich die üblichen Abdichtungskonstruktionen dann punktuell und lassen dort die anfallende Feuchte konzentriert einwandern. Die Industrie bekämpft dieses unlösbare Problem mit Vergiftung der Konstruktion mittels "Algizid" und "Fungizid" in gesundheitsschädlichen Hochkonzentrationen und erlässt Normen wie die DIN 4108 Teil 5, um hohe Restfeuchte in der Fassade als ordnungsgemäßes Bauen schönzureden. Der Teufel soll also Beelzebub austreiben.

F: Aus einer Pressemitteilung der Dämmstoff-Industrie: "Wenn die Wärmedämmung der Fassaden zu gering ist, kann sich bereits bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 - 60% Kondenswasser auf den Innenwänden bilden." Was halten Sie davon?

A: Das hat nun mit der Wärmedämmung überhaupt nichts zu tun und ist eine Verdrehung der Tatsache, dass überfeuchte Raumluft bei Abkühlung kondensiert. Bei den Normtemperaturen minus 10 Grad außen, plus 20 Grad innen und ca. 60% rel. Raumluftfeuchte könnte die Wand einen sehr schlechten k-Wert von 2 W/m2K aufweisen, ohne dass es zu Kondensat kommt. Bei 90% Feuchte könnte selbst ein guter k-Wert von 0,5 W/m2K Kondensat und Schimmelwachstum nicht verhindern.

Wichtig: Die allseits propagierte Stoßlüftung kann hohe Luftfeuchten nicht verhindern. Das geht nur bei ständigem Luftaustausch, wie es die gummilippenfreien Fenster alter Bauart ohne Behaglichkeitsstörung garantieren. Der bemängelte Luftzug ist nämlich meistens der Zimmertaifun, den die Konvektionsheizung erzeugt. Die Forderung nach erhöhter Dämmung gegen Schimmel ist also reine Augenauswischerei interessierter Kreise und leider auch der normgläubigen Schwachverständigen.

F: Herr Köneke meint, der Energiebedarf sei bei "eingepackten" Häusern größer als bei nicht verpackten. Die Heizkosten seien hier höher. Gibt es dafür Belege?

A: Überdichte Häuser haben grundsätzlich höhere Raumluftfeuchten. Dies führt zu erhöhtem Lüftungsbedarf, wobei dann die teuer erhitzte Luft verstärkt abgelüftet wird. Unterbleibt nun diese Abwehrmaßnahme der Bewohner, die ja einen ständigen Hausmeisterdienst voraussetzt, muss überfeuchte Luft "auf Temperatur" gebracht werden. Ihr Aufheizen verbraucht aber wesentlich mehr Energie als trockene Luft. Ein Teufelskreis, der sich in der Heizkostenabrechnung widerspiegelt. Auch den auf meiner Homepage von Prof. Jens Fehrenberg publizierten langjähriger Abrechnungsdaten gedämmter und ungedämmter Vergleichsbauten ist dieser Trend zu entnehmen.

F: Was ist der k-Wert? Der U-Wert? Welche Rolle spielen diese Werte bei der Energieeinsparung?

A: Die früher k-, seit kurzem U-Wert genannte Wärmedurchgangszahl beschreibt die Wärmemenge in Watt pro qm mal Kelvin (W/m2K), die durch einen Quadratmeter Stoff durchgeht, wenn zwischen den Stoffseiten ein Temperaturunterschied von einem Grad besteht. Dabei werden zur Messung des Wertes beidseits unterschiedliche Lufttemperaturen erzeugt und die Energiemenge zur Aufrechterhaltung des Temperaturunterschieds gemessen.

Um die Messung korrekt durchzuführen, muss also in der Klimakammer ein stationärer Laborzustand erzeugt werden, der in der Praxis nie existiert. Umständlicher geht es nicht!

Warum so kompliziert? Damit die Speicherfähigkeit eines Stoffes keine Rolle spielt und auf Basis der k/U-Wert-Betrachtung minderwertige Leichtbaukonstruktionen besser vermarktet werden können.

Das eigentlich Abseitige am k-Wert: In der Praxis wandert die Wärmeenergie zu etwa 90% mittels Strahlung durch die Wand und zwar von warm nach kalt. Das erklärt, warum nur Massivbauten im Sommer "kühl" und im Winter "warm" sind. Nur sie können den Temperaturdurchgang ausreichend dämpfen und verzögern und das wirtschaftlich und dauerhaft. Vor allem, wenn sie mit Strahlungsheizung und nicht mit raumlufterhitzenden Heizsystemen betrieben werden.

Die durch die k-Wert-Betrachtung überbetonte Wärmeleitung spielt also baupraktisch kaum eine Rolle, es kommt auf das Verhalten der Fassade gegenüber der Wärmestrahlung an.

F: Die WDV-Industrie verspricht, ihre Systeme sparten nachweislich Energie und bezieht sich auf eine Untersuchung von Werner Eicke-Henning im Auftrag des Darmstätter Institut für "Wohnen und Umwelt". Kennen Sie diese Studie?

A: Mir ist seine Untersuchung hessischer "Niedrigenergiehäuser" bekannt. Dabei handelt es sich um Neubauten und auf keinen Fall um einen Wirkungsnachweis von WDVS. Im Gegenteil: Die Untersuchung beweist, dass "Energieeinsparmaßnahmen" schrecklich unwirtschaftlich sind und sich teils erst in hunderten von Jahren "rentieren". Übrigens: Noch kein Mieter hat auch nur eine Mark Heizkostenvorauszahlung zurückbekommen, nachdem seine Wohnung gedämmt wurde. Die schöne "Untersuchung" des Darmstädter Instituts kann das nicht widerlegen.

Zu den angeblichen Einsparungen: Hier kann das Darmstädter Datenmaterial die Wirkung von Dämmstoffen nicht belegen. Die untersuchte Holzständerbauweise hat ja Effekte, die ausschließlich der hervorragenden Speicherkapazität der verwendeten Holzbaustoffe an Dach und Wand zuzuschreiben sind. Bei den Massivbauten, teils mit Vorsatzdämmung, ist eben die Restwirkung der Massivbaustoffe maßgeblich. Was fehlt, ist die Für-sich-Betrachtung blanker Dämmstoffe - das leistet bisher nur unser Lichtenfelser Experiment: mit niederschmetterndem Ergebnis für die k-Wert-Olympiade.

Was aber wirklich schlimm ist: Auch die sparsame, gesunde und energiesparende Strahlungsheizung wird von der falschen Bauphysik der EnEV wirkungsvoll bekämpft. Zum Teil bekommt man beim Einsatz dieser Technik sogar einen Malus aufgebrummt. Das ist der Gipfel des amtlichen Energiesparzwangs.

F: Die WDVS-Hersteller behaupten, Schimmelbefall trete vor allem in schlecht gedämmten Wohnungen auf und ohne Dämmung müsse man stärker heizen. Gerade bei ungedämmten Innenwänden sei mit Kondenswasser-Ausfall zu rechnen. Stimmt das?

A: Ersteres widerlegt sogar Prof. Gertis in "Klimawirkung und Schimmelpilzbildung in sanierten Gebäuden" in "Bauphysik der Außenwände", Berlin 1997, wo er von Schimmel in Bauwerken mit wärmeschutztechnisch "sanierten" Fassaden berichtet.

Der Schimmel braucht Feuchte. Die bekommt er durch dichte Fenster und Blower-door-verschärfte Raumdichtung, feuchterückhaltende Dämmkonstruktionen und schimmelfördernde Synthetikanstriche - eben die moderne Bauweise. Mehr heizen muss man in feuchten Buden, dort ist auch Kondenswasser-Ausfall unvermeidbar. Egal wie viel Kilometer Dämmstoffe vor der Fassade kleben. Die Fehrenberg-Daten zeigen: Dämmen rentiert sich nie, Dämmstoffe bringen keinen spürbaren Energiespareffekt. Wie sollten sie das auch, wenn die Wärmestrahlung sozusagen ungebremst durchpfeift?

Wenn ein E.-U. von Weizsäcker jüngst in der FAZ von 200 Liter Ölverbrauch je Quadratmeter im Jahr in ungedämmten Wohnungen behauptet, ist das pure Propaganda. Ein "normales Massivhaus" verbraucht meist deutlich unter 10 Prozent dieses Wertes. Genau deswegen können sich die erzwungenen "Energiesparmaßnahmen" niemals rechnen. Das Einsparpotential ist eben nicht da. Und deswegen fördert man die Angst vor angeblichen Klimakatastrophen, die nun alles rechtfertigen muss. Wobei niemand uns erklären kann, wie das böse CO2, doppelt so schwer wie Luft und darin nur mit 0,03% enthalten, aus 6 Kilometer Höhe die Erde aufkochen kann. Und das als kalter Heizkörper. Es hat dort nämlich minus 18 Grad. Die Ökowissenschaft setzt eben sehr viel Glauben voraus.

Was den Immobilienbesitzer betrifft: Ich glaube, dass bald die Zusage: "Nach alter Handwerksqualität massiv und schimmelfrei gebaut" ein Gütesiegel am schwierigen Wohnungsmarkt werden kann. Von den Ausnahme- und Befreiungsregelungen der EnEV sollte man also reichen Gebrauch machen.

Unser Arbeitskreis Gesundes Haus AGH strengt gerade ein Verfahren gegen die EnEV am Bundesverfassungsgericht an und ist für jede Prozesskostenhilfe dankbar. Wir müssen doch etwas dagegen unternehmen, wenn unser Staat mittels EnEV nicht nur das Vermögen der Hausbesitzer zerstört - die Heizkessel vor 1978 müssen ja vernichtet werden, egal wie gut sie funktionieren - sondern auch extreme Gesundheitsschäden bei der Wohnbevölkerung erzwingt. Ohne eine Mark Energieersparnis.

Date: 02 May 2002
From: Konrad Fischer
Subject: Re: Fragen zum Thema Wärmedämmung